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Mein Favorit beim Wettbewerb “Dümmster Boulderer des Jahres” in der Kategorie “Rückenbruch trotz drei Crashpads”.

Dafür dass der Griff so groß ist guckt der junge Mann  für meinen Geschmack etwas zu dramatisch. Aber das  Holz-Crashpad finde ich schon ziemlich klasse.

Ich  kan nichts anderes sagen, als dass mich dieses Bild anwidert: Das protzige Zurschaustellen von Hardware unseres  Arztbesockten. Und daneben dieses selbstzufriedene Grinsen des  Helmträgers, der nicht einmal zu bemerken scheint, dass seine Bremse einen unvorteilhaften Schatten auf seine Beine wirft,  die er im übrigen der Öffentlichkeit lieber vorenthalten sollte. Scheußlich.

Gleicher Platz - aber welch ein Unterschied! Da kann man mal sehen, was  Alkohol und blinder Nationalismus aus  Menschen machen kann.

Bevor man über diesen armen Kerl den Stab bricht,  sollte man klären, ob Bergsteigen an sich sinnvoll oder doch eher bekloppt ist.

Man  hat mir geraten, ich solle hier auch mal was Kritisches Schreiben. Also: Was denkt sich dieser Mensch eigentlich  dabei, in ein Land zum Klettern zu fahren, in dem Prostitution  und Drogenhandel wichtige Wirtschaftszweige darstellen und in  dem eine Durchschnittsfamilie von dem Geld, was unser Herr Felstourist für seine Kletterausrüstung ausgegeben hat, locker ein Jahr leben könnte?

Ich  find’, man muss schon irgendwie ein Stück weit aufpassen, dass  man die Kinder nicht überfordert, oder?

Ob Das Bouldern nun die Quintessenz oder vielleicht doch eher die die Königsdisziplin des Kletterns ist, darüber kann man  trefflich streiten. Unstrittig ist jedoch, dass das da oben  die Quintessenz des Boulderns ist. Was jedoch gar nicht geht: Der Schatten des Fotografen ist im Bild und dieser Bursche trägt Arztsocken.

Man könnte vermuten, er habe seinen  Schlüssel vergessen. Doch ich glaube das nicht. Ich habe schon drei mal meinen Schlüssel vergessen und hatte nie Schuhe,  Chalkbag oder Mütze dabei. Vermutlich will er einfach nur mal  seinen Tetanus-Impfschutz ausprobieren.

Da zappeln die Wettkämpfer munter an gelben Bergatrappen herum und die Menge glotzt. Der Mann mit der Kamera verfilmt sich - er zielt zu weit rechts. Hans steht ganz links. Er scheint ein echter Boulderfanatiker zu sein.  Das ist umso höher zu bewerten, als man wissen muss, dass dieser Mann schon einmal an der Große-Zinne-Nordwand fünfzig  Meter in einen Brustgurt geflogen ist.

Immer wieder begegne ich in letzter Zeit jungen Männern, die sich unter den Achseln rasieren. Doch es  geht offenbar auch anders. Da würde ein Hemd oder ein T-Shirt  gute Dienste leisten, um schlimmeres zu verhindern. Aber beweglich ist er schon, der Knabe.

Während die junge Dame weningstens versucht, eine gute Figur abzugeben, schaut der Tagträumer mit den viel zu kurzen Hosen einfach so aus dem Fenster und zählt Bahnhofstauben. Ob man Boulderwände aus Plexiglas wirklich braucht, ist eine ganz andere Frage.

Gut, ok - selbst wenn man einem Autor  zugesteht, sich aktiv in die Figuren hineinzuversetzen, über  die er gerade schreibt - muss es dabei zu derartigen Auswüchsen kommen? Muss man sich unbedingt dabei fotografieren  lassen? Und muss man diese peinlichen Beweise geschmacklicher  Bedürftigkeit dann auch noch ins Internet stellen? Wir meinen:  Ja!

Und  da wundern sich diese Boulderfritzen, dass sie niemand ernst  nimmt und sich keiner für ihren Sport interessiert: Anstatt  faul auf dicken Matten rumzulümmeln sollten sie lieber ihren Hintern bewegen und diese alberne Straßenboulderwand nicht nur mit großmäuligen Werbestickern bekleben und unnötigerweise  tagsüber mit protzigen Scheinwerfern beleuchten, sondern  gefälligst noch ein paar Griffe dranschrauben. Vielleicht würden dann die beiden netten Passanten nicht einfach achtlos  ihre Mineralwasserflasche vorbeitragen, sondern sich zur Wand  wendend voll Bewunderung Sätze aussprechen wie: “Ja, ja, das Bouldern: Es ist wahrhaftig die Königsdisziplin.” Wieder eine vertane Chance.

Ich warte nur darauf, dass einer von den Bratzen mit so einem Teil aus dem Riss fliegt und sich auf den Bart legt. Dann ist das Geschrei groß, und nach der Tagesschau  gibt es einen Brennpunkt. Und Rewe nimmt die ganzen Milchmatschsachen aus dem Regal. Hunderte Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Und der Ferrero-Vorstand, der sich den ganzen Quatsch ausgedacht hat, wird gefeuert, landet mit einer  Riesen-Abfindung bei Toblerone und bringt dort die erste  sloperförmige Schokolade der Welt auf den Markt: “Boulderone”  wird aber auch ein Flop, da die Zielgruppe noch nicht lesen  kann.

Mal abgesehen davon, dass mich das alles nicht beeindruckt (in China springen Dreijährige bereits rückwärts durch brennende Autowracks): Man sollte dem angeberischen Vater mal sagen, dass weiße Socken sch**** aussehen und die Beine optisch verkürzen, ein Effekt der durch die schwuchtelhaft umgeschnallte Jacke noch verstärkt wird.  Außerdem finde ich rote Zäune und Grillhütten mit Rauchabzug  in erzwungener Nachbarschaft zu Pseudohinkelsteinalleen eher  unpassend.

Es wird der Tag kommen, da man Architekten, die blaue Kunststoffknöpfe an Hochhäusern anbringen ließen, zur Rechenschaft ziehen wird. Zudem möchte ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass unser Sportsfreund an jenem Morgen ein desodorierendes Duschgel benutzte.  Ansonsten sollte man ihm zum Wohle der Allgemeinheit von  derart extremen Kletterstellungen abraten.

Viele werden da sagen: Muss denn wirklich überall geklettert werden? Und darf man sich dabei so gehen lassen? Ich aber möchte entgegnen: Noch bescheuerter sehen Männer auf Weihnachtsmärkten aus, die an Glühweinständen  stehen und Stirnbänder aufhaben, die an den Ohren breiter  werden.

Dieser Mann begeht gleichzeitig drei Fehler: Er lässt seinen Helm aus den Augen - kaukasische  Banden haben leichtes Spiel! Er schaut in die falsche Richtung - da sind keine Wegweiser, er wird sich verfahren. Und seine Uhr geht nach.

Wer so käseweiße Beine hat, sollte lieber keine kurzen Hosen anziehen. Und unser Freund rechts  missachtet die Drei-Punkt-Regel! An einem öffentlichen Gebäude.

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